
L*Ost DDR Vortrag: „Lesben in der Provinz“ – damals und heute
Vortrag von Judith Geffert und Zeitzeug*innengespräch
DGS Verdolmetschung verfügbar
„Lesben in der Provinz sind allein. Mutterseelenallein“, schreibt Christiane Kloweit 1989 in einem Artikel für die Zeitschrift „frau anders“. Gemeinsam mit Ina Röder Sissoko macht sie sich auf die Suche nach Lesben, die in Kleinstädten leben, und interviewt sie. Die Gesprächsprotokolle stellen die beiden auf der Tagung „Lesben im Umfeld der Kirche“, der ersten Lesbentagung der DDR, im Herbst 1989 in Halle vor. (1)
Auf dieser Konferenz wurde das Leben von Lesben in der Provinz der DDR erstmals auf diese Weise thematisiert. Für sie war es besonders schwierig Anschluss an Gruppen zum Austausch mit Gleichgesinnten bzw. überhaupt Kontakt zu anderen Lesben zu finden. Die Konferenz war für November 1989 geplant. Durch die politische Entwicklung fiel sie dann in die Zeit des Umbruchs im Herbst 1989. Während der Vorbereitungen konnte niemand von den im November beginnenden rasanten Veränderungen innerhalb der DDR-Gesellschaft etwas ahnen.
Judith Geffert hat im Rahmen ihrer Forschungsarbeit zur Lesbenkonferenz 1989 in Halle zum Thema Lesben in der Provinz recherchiert. Sie hat an der Ausstellung „Gemeinsam sind wir unerträglich“ – Die unabhängige Frauenbewegung in der DDR mitgearbeitet, aus deren Katalog das Eingangszitat stammt. Judith wird uns im Gespräch mit Zeitzeug*innen von den damaligen Geschehnissen und ihrer Bedeutung im Transformationsprozess berichten und den Bezug zur heutigen Situation für Lesben, die außerhalb der großen Städte leben, herstellen. Das Foto zeigt einige der Teilnehmer*innen der Konferenz in Halle 1989; unter anderem Ina Röder Sissoko bei der Präsentation ihrer Recherche zu Lesben in der Provinz.
Die Veranstaltung ist Teil der Reihe L*Ost: Frauen*Lesben Perspektiven auf DDR und Umbruchszeit 2026 und wird vom Kulturfond des Berliner Senats und der Hannchen-Mehrzweck-Stiftung gefördert. L*Ost DDR 2026 wird veranstaltet vom Sonntags-Club Berlin e.V. in Zusammenarbeit mit dem Spinnboden Lesbenarchiv und Bibliothek e.V. und dem EWA e.V. – Frauenzentrum.
(1) „Gemeinsam sind wir unerträglich“ Die unabhängige Frauenbewegung in der DDR, hrsg von Ulrike Rothe und Rebecca Hernandez Garcia, im Auftrag der Argentur für Bildung, Geschichte und Politik e.V., S. 137
Bild: Robert-Havemann-Gesellschaft, Foto Leo Tesch, RHG_Fo_GZ_0007
